Nachhaltigkeit firmierte lange Zeit unter dem Label „nice to have“. Das Grünbuch der Europäischen Kommission 2001 definiert die soziale Verantwortung von Unternehmen beispielsweise als eine im Wesentlichen freiwillige Verpflichtung der Unternehmen, auf eine bessere Gesellschaft und eine sauberere Umwelt hinzuwirken. Der Effekt war gleich Null, sodass in einer neuen Definition 2011 wenigstens die unternehmerische Verantwortung ins Spiel gebracht wurde: Corporate Social Responsibility (CSR) wäre demnach die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. Nachdem auch diese freiwillige Übernahme von Verantwortung nicht von Erfolg gekrönt war, wurde mit der CSR-Richtlinie 2014/95/EU der Schritt zu mehr Verbindlichkeit gesetzt. In Österreich geregelt über das Nachhaltigkeitsdiversitätsgesetz (NaDiVeG), müssen bestimmte große Kapitalgesellschaften nichtfinanzielle Informationen offenlegen. Dabei kann sich die Gesellschaft auf bestimmte Rahmenwerke stützen, muss dies aber nicht.

Es kam wie es kommen musste. Freiwillige Selbstverpflichtungen und höchst unverbindliche Regelungen hatten bestenfalls marginale Auswirkungen auf die Unternehmenspolitiken. Und das, obwohl schon allein wegen des Klimawandels radikale Schritte notwendig gewesen wären. 

Zumindest auf multilateraler Ebene hatte man den Ernst der Lage erkannt und war sich bewusst, dass an einer radikalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft kein Weg vorbeiführt. Dabei wird mit drei Hebeln gearbeitet:

  1. Finanzielle Förderung der Transformation: Sie sollen vor allem den Umstieg aus fossilen Energieträgern erleichtern. 30 Prozent des langfristigen EU-Haushalts 2021 – 2027 von 1,8 Billionen Euro sind beispielsweise für klimabezogene Projekte veranschlagt. So sollen die für die Klimaneutralität 2050 notwendigen Mittel bereitgestellt werden.
  2. Ziele:
    Nach den Pariser Klimazielen muss bis 2050 Klimaneutralität erreicht werden. Das heißt, die Treibhausgasemissionen müssen bis dahin auf netto null gesenkt werden. Alle Staaten der Welt haben in fünfjährigen Intervallen über ihre Beiträge zur Emissionsreduktion zu berichten.
    Zusätzlich bekennen sich die UN Mitgliedstaaten gemäß der UN Agenda 2030 unter dem Motto „Leave no one behind“ zu 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs). Neben Umweltschutz und Klimaschutz werden vor allem jene Themen adressiert, die eine Verringerung der globalen Ungleichheit und ein Leben in einer nachhaltigen und gerechten Gesellschaft ansprechen. Dazu haben die einzelnen Länder in regelmäßigen Abständen einen „Freiwilligen Nationalen Bericht zur Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele/SDGs (FNU)“ vorzulegen. Aber auch die Unternehmen sind aufgefordert, ihren Beitrag zu leisten. Nach einem normierten Prozess – dem SDG Compass – sollen sie definieren, welche Ziele für sie relevant sind und was sie zur Zielerreichung beitragen werden. Mittlerweile positionieren sich so gut wie alle ATX-Unternehmen zu diesen Zielen. 
  3. Transparenz: Markttransparenz ist eine unabdingbare Voraussetzung für das Funktionieren von Märkten. Nur wenn die Wirtschaftssubjekte über die relevanten Informationen verfügen, werden sie ihren Interessen gemäße rationale Entscheidungen treffen. Soll Nachhaltigkeit ein relevantes Kriterium werden, so braucht es dazu auch valide Informationen. Durch folgende Regulatorik soll diese Markttransparenz in Bezug auf Nachhaltigkeit gewährleistet werden:
sustainable finance disclosure regulation

Die Sustainable Finance Disclosure Regulation (Offenlegungsverordnung – SFDR) gewährleistet nachhaltigkeitsbezogene Informationen für Finanzprodukte. Diese können damit besser als bisher Investoren angeboten bzw. von diesen nachgefragt werden.

Taxonomieverordnung

Die Taxonomieverordnung definiert einen umfassenden Katalog an „technischen“ und betriebswirtschaftlichen Kriterien, nach denen die Nachhaltigkeit der Wirtschaftstätigkeiten von Unternehmen klassifiziert wird. Leistet ein Unternehmen einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele, soll es in den Genuss günstigerer Finanzierungen kommen.

Corporate Sustainability Due Diligence Directive

Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD, Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz) verpflichtet Unternehmen, die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf die Menschenrechte und auf die Umwelt in ihren Wertschöpfungsketten offenzulegen, und im Falle des Falles negative Auswirkungen zu vermeiden.

Corporate Sustainability Reporting Directive

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) stellt die Offenlegungspflichten von Unternehmen auf völlig neue Beine und ist das Herzstück künftigen Nachhaltigkeitsmanagements. Unternehmen haben in ihrem Lagebericht zur Nachhaltigkeit über die Dimensionen Environmental, Social und Governance (ESG-Faktoren) in gleicher Qualität zu berichten, wie über finanzielle Belange. Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) gewährleisten die Messbarkeit und Vergleichbarkeit der Daten und deren Nutzung für eine nachhaltige Geschäftspolitik.

Unbestritten ist, dass die Transformation zur nachhaltigen Unternehmensführung unumgänglich ist. Zwei methodische Zugänge bieten sich für die Integration in das Kerngeschäft an: Der SDG Compass, wo nach einer Priorisierung der Nachhaltigkeitsziele in zyklischen Schritten eine Neuorientierung vorgenommen wird. Und eine Governance-Philosophie nach ESRS, die sich durch die fein granuliert vorgegebenen Prozessschritte auszeichnet.